Nierst

 

Ortsschild

 Nierst ...

 ... ist einer der kleineren Ortsteile von Meerbusch. Es ist die nördlichste der drei Rheingemeinden Nierst, Langst- Kierst und Ilverich mit 1387 Einwohnern (2008). Die Nierster Gemarkung grenzt im Norden an die Stadt Krefeld (Krefelder Hafengebiet), im Nordosten und Osten bildet der Rhein die Stadtgrenzen zu Duisburg und Düsseldorf.

 

 

+ + + + + +

Name

Der Name Nierst geht zurück auf die Bezeichnung Niederseist. Seist war in fränkischer Zeit ein Begriff für größere Flussinseln. Die Namen der Nachbarorte Langst und Kierst gehen zurück auf Langenseist und Kirchseist. Dabei war Nierst, wie Langst und Ilverich, ein typisches niederrheinisches Straßendorf, einseitig angelegt, während Kierst Mittelpunktcharakter hatte.

 

 + + + + + +

 

Geschichte

Kirche png8Im Jahre 1166 wird Nierst erstmals urkundlich erwähnt. In dieser Urkunde bestätigt Hildegundis von Meer dem Seisthof (heute: Siegershof) seine Abgabenfreiheit und Gerichtsbarkeit. Der Seisthof unterstand dem Kloster Meer. Im Jahre 1185 wird in einer weiteren Urkunde der Werthhof genannt. Auch er unterstand Haus Meer. Beide Höfe hatten Abgaben an das Kloster Meer zu leisten. Nierst hatte den Status einer Freien Herrlichkeit; dieser Status bedeutete die eigene Gerichtsbarkeit und hatte u.a. zur Konsequenz, dass gesuchte Personen sich drei Tage in Nierst aufhalten konnten, ohne festgenommen zu werden.
Bis 1798, als die französischen Revolutionstruppen das linke Rheinland in die französische Republik eingliederten, gehörte Haus Meer bzw. die Herrschaft Linn und damit auch Nierst zu Kurköln. In dieser Zeit hat die gesamte Gegend immer wieder unter schrecklichen Kriegshandlungen gelitten. 1816 wurde Nierst wie das gesamte Rheinland preußisch.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde auf dem Scheid mit 32 Häusern eine Siedlung für Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten errichtet. Hatte die Einwohnerzahl bisher nur wenig zugenommen (1936 hatte Nierst 406 Einwohner, 1956 475), so stieg mit dem Zuzug aus den Ostgebieten sowie mit der zunehmenden Motorisierung und dem damit verbundenen Pendeln zur Arbeitsstätte die Einwohnerzahl deutlich an. So hatte Nierst 1984 bereits 1294 Einwohner.

Bis zur Gebietsreform 1970 gehörte Nierst als Gemeinde zum Amt Lank und damit zum Kreis Kempen-Krefeld. Mit der Gründung der Stadt Meerbusch kam das Amt Lank und damit auch Nierst zur Stadt Meerbusch und dem Kreis Grevenbroich, seit 1975 zum Rhein-Kreis Neuss.

 

+ + + + + +

 

Kultur

Die alten Höfe Seisthof und Werthhof haben vermutlich Kapellen besessen. Genaue Daten eines Kirchenbaus sind nicht bekannt. Die Wahl des Schutzheiligen – St. Cyriakus – spricht für eine Kirchengründung vor dem 9. Jahrhundert. Um 1460 wurde das Langhaus der damals existierenden Kapelle durch einen gotischen Neubau ersetzt. Die gesamte Kapelle – mit einem romanischen Turm – wurde im Jahr 1896 abgerissen. Die heutige Kirche wurde 1895 eingeweiht und 1975-76 innen renoviert. In 2008 wurde im Rahmen des Projektes „Neue Mitte Nierst“ der Kirchenvorplatz mit dem Mahnmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege neu gestaltet.

 

+ + + + + +

 

Dorfentwicklung

Die beiden schon erwähnten Hofanlagen Seisthof (heute Siegershof) und Werthhof bildeten den Ursprung, sie sind heute, vor allem der Werthhof mit dem im 19. Jahrhundert angelegten Englischen Garten, Endpunkte des Dorfes. Dazwischen lagen verstreut, wie für den Niederrhein typisch, weitere kleinere Höfe und Gebäude. Typisch ist ferner, dass die beide Höfe verbindende Straße (heute „Am Oberen Feld“) nur einseitig auf der Westseite bebaut war. Grund ist sicherlich das häufige Hochwasser des Rheins, denn auf der Ostseite dieser Straße befinden sich – etwas tiefer gelegen im ehemaligen Vorflutgelände des Rheines – Wiesen mit reichem Obstbaumbestand (Streuobstwiesen).
Die heutige Nierster Mitte um die Kirche und die ehemalige Schule liegen an der Stratumer Straße, die erst im 19. Jahrhundert bebaut wurde. Die weitere Ausdehnung in Richtung Lank (um die
Hildegundisstraße) ist im Wesentlichen erst in den letzten 40 Jahren erfolgt. Dennoch ist der Charakter eines Straßendorfes erhalten geblieben; und noch heute befinden sich in der Ortsmitte größere unbebaute Flächen, die Nierst den Charme eines „grünen“ Dorfes verleihen.

 

+ + + + + +

 

"Neue Mitte Nierst"

Paias2

In der Bürgerversammlung im April 2007 wurde das Projekt „Neue Mitte Nierst“ gestartet. Ziel war es, das Erscheinungsbild des Festplatzes zu verbessern. Eine Planungsgruppe, bestehend aus 10 Nierster Bürgern, ging ans Werk.
Geplant und anschließend errichtet wurde eine Grünanlage mit Brunnen und Skulptur, die den Pajas, eine Brauchtumsfigur des Nierster Karnevals, darstellt. Ferner sah man eine Veränderung des Straßenbereichs zur Verkehrsberuhigung und eine bessere Integration und Verschönerung des Kirchenvorplatzes vor, um insbesondere das Mahnmal zur besseren Geltung zu bringen.

 

 + + + + + +

 

Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur

Nach wie vor ist Nierst durch die Landwirtschaft geprägt. In den letzten Jahren ist zunehmend der Anbau von Gemüse und Obst (Erdbeeren) zu beobachten, einige Höfe haben sich weitgehend zu Reiterhöfen entwickelt. Durch die Nähe zu den Großstädten der Rheinschiene haben sich in Neubausiedlungen zahlreiche Neubürger angesiedelt. Dennoch hat sich Nierst sein dorftypisches Aussehen bewahren können.
Durch das Landschaftsschutzgebiet „Die Spey“ und das im Raum Nierst besonders grüne und ursprüngliche Rheinufer kann Nierst als grüne Lunge mit Erholungscharakter inmitten des Ballungs
gebietes Rheinschiene bezeichnet werden. Störende Gewerbeansiedlungen sind nicht vorhanden, die in früheren Jahren am Rande der Spey erfolgte Auskiesung ist abgeschlossen, an dieser Stelle befindet sich ein See, der mittlerweile gänzlich von der Natur „zurückgeholt“ wurde und auch nicht für Freizeitzwecke zur Verfügung steht.

 

+ + + + + +

 

Brauchtum


Von großer Bedeutung ist in Nierst der Karneval. Der 1905 von Junggesellen gegründete Karnevalsverein „Kött on Kleen“ veranstaltet jedes Jahr im Festzelt Sitzungen und Bälle; am wichtigsten ist aber der Rosenmontagszug, der unter großer Anteilnahme des Dorfes den ganzen Tag durch Nierst zieht.
Im Gegensatz zu umliegenden Gemeinden spielen Schützenfeste in Nierst keine Rolle.

 

+ + + + + +

Error
  • You are not authorised to view this resource.